Wohnraum fair gestalten

14. April 2026


Wohnraum fair gestalten

Wer Wohnraum besitzt, trägt Verantwortung für das Gebäude und die Menschen, die darin leben. Eva Schumacher, Geschäftsleiterin von Casafair Zürich, erklärt, welchen ökologischen und sozialen Beitrag Eigentümer:innen leisten können.
 

Casafair ist der Verband für umweltbewusste und faire Wohneigentümer:innen. Was braucht es genau, um Mitglied zu werden?

Wir vereinen Eigentümer:innen, die bewusst sozial und umweltverantwortlich handeln wollen. Typischerweise besitzen unsere Mitglieder kleinere und mittlere Wohnliegenschaften, die sie oft auch selbst bewohnen. Für sie ist klar, dass man haushälterisch, sozial und ökologisch mit dem Boden umgeht und transparente, faire Mietverhältnisse ermöglicht. Wer als Eigentümer:in Mitglied bei Casafair wird, entscheidet sich bewusst dafür, seinen Mieter:innen auf Augenhöhe zu begegnen. Eine «Gewissensprüfung» machen wir jedoch nicht.
 

Viele Wohneigentümer:innen setzen aktuell auf Renditeoptimierung. Wieso entscheiden sich ihre Mitglieder für eine nachhaltigere Vermietungsstrategie?

Die meisten, die zu uns kommen, wollen nicht einfach möglichst viel Geld verdienen. Was wir beobachten, ist, dass vor allem kleinere und private Eigentümer:innen noch einen starken Bezug zu ihren Liegenschaften haben. Das prägt sicher auch ihre Vermietungspraxis. Eine angemessene Rendite ist legitim, denn eine Liegenschaft muss ja langfristig tragbar bleiben. Wir orientieren uns aber an der kostendeckenden Miete. Ich schätze es sehr, dass sich unsere Mitglieder dafür entscheiden – auf dem heutigen dysfunktionalen Wohnungsmarkt könnten sie oft ein Vielfaches an Mieteinnahmen erzielen.  
 

Welche Herausforderungen haben Ihre Mitglieder, und wo können Sie helfen?

Vielen ist bewusst, dass sie mit ihrem Eigentum auch eine gesellschaftliche Verantwortung haben. Sie überlegen sich beispielsweise, wie sie mehr Wohnraum schaffen können, etwa durch Aufstockungen ihres Einfamilienhauses. Wir beraten sie dabei, wie sie solche Projekte konkret umsetzen können. Es geht darum, Lösungen zu finden, die sowohl für die Eigentümer:innen als auch für die Mieter:innen und das Umfeld nachhaltig sind.
 

Welche Themen werden in Zukunft noch wichtiger werden?

Etwa das Thema sozial-ökologische Sanierungen. Wenn immer irgendwie möglich sollen sie im bewohnten Zustand stattfinden, was für alle Beteiligten aber herausfordernd sein kann. Bei der komplexen Planung bieten wir über unseren Beratungsdienst Hilfeleistungen. Um eine noch bessere Unterstützung von A bis Z zu ermöglichen, denke ich an eine Sammlung mit praktischen Tipps, die auf kleinere Immobilieneigentümer:innen zugeschnitten sind.  Dazu gehören beispielsweise Briefvorlagen und Checklisten für eine rechtzeitige und transparente Kommunikation mit den Mieter:innen. Ausserdem könnten wir unseren Mitgliedern die Möglichkeit bieten, Erfahrungen auf diesem Gebiet – auch mit Fachpersonen – auszutauschen.